Dr. Svenja Kämper-Meyer stammt aus einer Familie, die vom Reitsport und der Pferdezucht geprägt ist. Hauptberuflich selbstständige Kieferorthopädin debütierte sie in Neumünster mit einer Stute aus der Familienzucht im Dressur-Weltcup. Wir haben uns mit ihr unterhalten.
PferdeSport International: Wie verlief bislang ihr reiterlicher und beruflicher Weg?
Dr. Svenja Kämper-Meyer: Ich habe Zahnmedizin studiert, eine Facharztausbildung im Bereich der Kieferorthopädie gemacht und bin inzwischen seit über zehn Jahren selbstständig. Reiterlich bin ich klassisch mit Ponys zu meinen ersten Erfolgen gekommen. Es schlossen sich die Junioren- und Junge Reiter-Zeit an. Noch zu Zeiten von Holger Schmezer habe ich meine ersten Grand Prix-Erfahrungen in der Piaff-Tour gemacht. Zunächst mit einem Grand Prix-Pferd meiner Mutter und dann mit meiner ersten selbstausgebildeten Stute Momo. Heute bilde ich mit großer Freude Pferde aus eigener Zucht oder die ich zum Beritt habe bis auf Grand Prix-Niveau aus. Es ist praktisch, wenn der Trainer deine Mutter oder Schwester ist. Ohne meine Eltern und meine Schwester Carde Meyer würde ich den Sport heute so nicht mehr betreiben. Hier sind Vertrauen und die fast tägliche Unterstützung unbezahlbar. Ein großer Dank, geht aber auch an Morten Thomsen, der uns seit über 15 Jahren fördert und fordert.
Mit einer eigenen Kieferorthopädie-Praxis ist ihr Tag recht gut gefüllt. Wie lassen sich Top-Sport und Selbstständigkeit miteinander vereinen?
Dr. Svenja Kämper-Meyer: Es ist nicht der Top-Sport ist, der die Herausforderung darstellt: Aber es ist etwas verrückt, wenn man in zwei Bereichen einen großen Ehrgeiz hat und erfolgreich sein will. Mein Tag ist von der ersten bis zur letzten Minute durchgetaktet. Zwei Praxen, fünf Pferde und zwei Kinder sind ein tagesfüllendes Programm und funktionieren nur mit gutem Management, Unterstützung in allen Bereichen und frühem Aufstehen an sieben Tagen in der Woche. Es ist nicht immer einfach und nicht so schön wie es in den sozialen Medien manchmal dargestellt wird. Aber dennoch würde ich es nicht anders haben wollen.
Amanyara M FRH stammt aus der Zucht Ihres Vaters Hans-Jürgen Meyer und sie hat mit einem Podiumsplatz im Louisdor-Preis-Finale in Frankfurt bereits in jungen Jahren ihre Talente für den Grand Prix gezeigt. Was zeichnet die Ampère-Davignon I-Tochter aus?
Dr. Svenja Kämper-Meyer: Sie ist eine Stute mit eigener Meinung und ehrgeizigem Kampfgeist und auch unter dem Sattel mit einer großen Leistungsbereitschaft und Rittigkeit ausgestattet. Sie weiß genau, worauf es ankommt und wann es wichtig ist. Wenn ich alles richtig mache, macht sie es auch.
Wieso durfte Amanyara bei Ihnen bleiben? Wussten sie bereits früh, dass dieses Pferd Ihnen nochmal neue Türen öffnen wird?
Dr. Svenja Kämper-Meyer: Amy gehört zur Familie! Wir alle arbeiten hart und viel, um uns dieses besondere Hobby zu erlauben und so hat mein Vater einmal gesagt: „Wir können es uns vielleicht nicht erlauben, so ein Pferd zu kaufen, aber wir können es uns erlauben, es zu behalten.“ Ich wusste bereits früh, dass das Pferd für den Grand Prix-Sport geboren wurde. Als ich sie achtjährig das erste Mal Inter II geritten habe, war es so, als ob sie immer darauf gewartet hätte. Alles, was wir inzwischen erreicht haben und noch erreichen, ist on top und hängt von sehr vielen Faktoren ab.
Wie waren Ihre Gefühle beim Premierenstart in den Holstenhallen von Neumünster?
Dr. Svenja Kämper-Meyer: Das Neumünster Wochenende war einfach schön und vor allem von dem Wort „Personal Best“ geprägt. Dies hat es zu einem besonderen Wochenende gemacht. Es ist ein tolles Gefühl, wenn deine jahrelange, harte Arbeit Anerkennung erfährt.
Was sind Ihre weiteren sportlichen Ziele in dieser Saison und in den kommenden Jahren?
Dr. Svenja Kämper-Meyer: Ich versuche, es ein bisschen auf mich zukommen zulassen, aber eine Richtung gibt es: Gerne würde ich dieses Jahr zu den Deutschen Meisterschaften reisen und im nächsten Winter noch einmal ein paar Weltcup-Turniere reiten. Ein kleiner Traum wäre es, beim CHIO in Aachen teilzunehmen. Da ich jedoch keine Rechenschaft ablegen und nur meinem eigenen Anspruch genügen muss, versuche ich nach dem Motto zu reiten „Alles kann, nichts muss!“ und jeden Moment zu genießen, auch wenn er anstrengend und aufregend ist.